zur Startseite zur Startseite zur Startseite

eMail  |  Impressum

zur Startseite

Startseite

Biografie

Segen

Liturgien & Predigten

Aufsätze & Vorträge

Aktuelles

Kontakt



 

Predigt zum Thema "Osterlachen"

Kreisliturgie in Görslow am Schweriner See




Liebe österliche Gemeinde!

Es gibt eine Seligpreisung von Jesus im Lukasevangelium, die uns überhaupt nicht bekannt ist und uns staunen lässt:
Selig sei ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
Lachen und Weinen – wie nah es beieinander liegt!
Doch halt! Lk 6: Hier weinen – dort lachen. War das nicht gerade die berechtigte Kritik von Karl Marx am Christentum? Die Ver-tröstung aufs jenseits, Opium des Volkes?
Ja, aber das Hier und Dort ist zugleich auch ein Schon und Nochnicht. Weil Jesus Angst und Tod überwunden hat, können auch wir auf unsere Angst und auf den Tod schauen – und la-chen.
Es ist die Gleichzeitigkeit unserer christlichen Existenz. Im La-chen, in den kurzen Augenblicken, begegnet uns das Heilige, die-ser Urstrom der Lebendigkeit. Und Ostern ist dafür das Unter-pfand.
Als mich vergangene Woche eine Freundin anrief und in fas-sungsloser Traurigkeit vom Sterben ihrer Schwester berichtete, da dachte ich: Ist dieser Gottesdienst über das Osterlachen vielleicht zynisch?
Ich will Sie deshalb heute Morgen teilhaben lassen an meiner Entdeckung, wie ich zu diesem Thema „Osterlachen“ kam. Im Bücherschrank meiner Mutter fand ich ein kleines Heft, das noch mit Genehmigung der Militärregierung in München gedruckt war, also gleich nach 1945. Es hat den Titel „Und Gott lacht….“ Es ist die Predigt von Willem-Eicke den Hertog, eines jüngeren hol-ländischen Pfarrers, von der Gestapo verhaftet und nach Dachau verschleppt. In der Kapelle des Blockes 26, des Pfarrerblocks, der als Gottesdienstraum diente. Nur Geistliche beider Konfessionen hatten Zutritt. Trotz Verbot nahmen auch andere teil. Am Abend des Ostermontags 1944 hielt er diese Predigt: „Und Gott lacht …“ Das Lachen Gottes in dem auferstandenen, lebendigen Herrn leuchtet über uns.
Aus den Tagebuchblättern des Häftlings Nr, 16921 wissen wir, welch großen Eindruck diese Osterpredigt auf die Zuhörer mach-te.
Da ich z. Zt. keine Angst und keinen Tod in meiner Umgebung erlebe, will ich also einfach die Gedanken der Predigt wiederge-ben. Der holländische Pastor im KZ ist auf jeden Fall authentisch und nicht zynisch!

Wie Gott von sich aus den Ostermorgen gegeben hat als die größte Überraschung denen, die nichts mehr hofften und erwar-teten. Maria Magdalena hatte geweint. Jesus fragt: Frau, warum einst du? Sie war zu spät gekommen trotz ihrer Liebe zu Jesus. In Jesu Tod war alles zunichte geworden, worauf sie und die ande-ren der Jesusbewegung gehofft hatten. Und Jetzt: Der im Him-mel wohnet, lacht! im Psalmwort: Gott lacht derer, die ihn spot-ten.
Das Lachen Gottes kommt auf Maria zu, indem Jesus ihr begeg-net. Und jetzt erfährt sie: Gott hat mir ein Lachen zugerichtet. Auch dies ein Wort aus der Bibel: Sara sagt es, als sie wider alles Erwarten doch schwanger wird. Gott lacht das gute und herrliche Lachen des Vaters, der den verlorenen Sohn in seine Arme schließt, das gute und herrliche Lachen der Nachbarinnen und Freundinnen, die sich über den wieder gefundenen Groschen freuen. Gott lacht das gute und herrliche Lachen der Freude der Engel im Himmel.
Wo wir nur weinen konnten, wächst Gottes Lachen wunderbar.
Jesus, der Meister, der uns lachen lehrt am dritten Tage, mitten in unserem Elend und Tod, frei und unbekümmert lachen in der Gewissheit seines Sieges, in der Kraft seiner Auferstehung.

Da sind wir am dritten Tage in einer Welt ohne Gott, ohne Christus erfüllt von Hass und Neid, von Mord und Totschlag, von des Teufels Geist. Es ist alles zum Weinen, nur zum Weinen. Aber Gott schenkt uns am dritten Tage ein Lachen, so reich, dass wir es immer hören müssen und wieder hören: wie Gott lacht über uns, selig rettend, herrlich.

Diese trostreiche Botschaft hat Jesus Maria Magdalena in die Hände gelegt. Sie ist seine Gabe und Aufgabe zugleich. Sie soll nicht nur Trost empfangen, sondern auch spenden. Dieser Trost soll durch die ganze Welt gehen und überall, wo geweint wird oder wo die Zähne zusammengebissen werden, um nicht zu wei-nen, oder wo gelacht wird, weil man sonst weinen müsste, dort überall soll das Lachen Gottes hörbar werden.
Wenn Gott Ostern mit uns feiert, verschwinden unsere Schwie-rigkeiten. Da lachen wir unter Tränen.
Ja, mein Bruder, so predigt der junge Pfarrer im K. Z. Dachau, heute legt Gott seine Freude dir und mir ins Herz hinein. Heute lehrt Er uns lachen.

Denn am Ostermorgen hat Gott mir ein Lachen zugerichtet. Und ich darf die Freude weiter tragen als seine Gabe und Aufgabe in diesem schrecklichen Leben, in dieser tödlichen Welt im K. Z., bis einmal alles vorbei ist, - mit den Worten aus der Offenbarung -
und Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen,
und der Tod nicht mehr sein wird,
noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein wird.
Denn das wird alles vorübergehen.
Nur Gottes Lachen wird bleiben.
Der Anfang und das Ende.
Halleluja!

Soweit die Predigt am Ostermorgen 1944.

Sie wird uns, dessen bin ich ganz sicher, nicht loslassen und wird auch uns dazu ermutigen, unter Tränen zu lachen, weil Gott lacht. Und wenn wir nicht wissen, sollen wir lachen oder weinen, dann wird sich das Pendel zum Lachen neigen. Denn Jesus hat dem Leid, dem Tod die Macht genommen.

Und ich wünsche uns, dass uns das auch gelingen möge, was Ma-xim Gorki über Anatoli Durow sagte.
Dass wir Zauberer sein können, die in den vergifteten Brunnen der Traurigkeit einen Tropfen, nur einen einzigen Tropfen vom lebendigen Wasser des Lachens hinein gießen und diesen Brun-nen dadurch zum Kraft und Leben spendenden Heilquell ma-chen können.

Amen





 

   
zurückzurück nach obennach oben